Chronik Marzahn

Sa, 27. Dezember 2014
Neonazi-Kundgebung wird vorzeitig abgebrochen
Unter dem Titel „Berlin gegen Asylmissbrauch und linke Gewalt (Ber.Ge.As.)“ hatte ein Neonazi-Hooligan eine Kundgebung am Eastgate angemeldet, an der etwa 50 Personen teilnahmen. Sie waren größtenteils betrunken, grölten und lösten die Versammlung auf, als sie keine Demonstration machen durften. Zeitgleich demonstrierten etwa 250 Antirassist_innen durch Marzahn und bekundeten ihre Solidarität mit Flüchtlingen.

Mi, 24. Dezember 2014
Weihnachtsbaum für Flüchtlinge erneut zerstört
Der Weihnachtsbaum, der am zukünftigen Standort des Containerdorfs in Marzahn aufgestellt wurde, wurde erneut in der Nacht umgeworfen und zersägt. Die Tat wurde anschließend auf verschiedenen rassistischen Portalen gerechtfertigt und gefeiert.

Mo, 15. Dezember 2014
7. Montagsdemo: Über 1500 gegen 300 Rassist*innen
Zur „7. Montagsdemo“ erschienen diese Woche lediglich rund 300 Neonazis, Hooligans und Rassist*innen, kaum bürgliche Anwohner*innen. Viele Teilnehmer*innen waren betrunken, gewaltsuchend und aggressiv. Mehrfach wurden Böller aus dem Aufzug auf Gegendemonstranten geworfen. Organisatorischer Kern war wieder das Neonazi-Trio Rene Uttke, Daniela Fröhlich und Marcel Rockel. Die NW-Berlin Aktivisten David Gudra und Stefan Detlef Alex versuchten erfolglos im Umfeld Journalisten einzuschüchtern. Über 1500 Antirassist*innen protestierten gegen den Aufmarsch, konnten durch Blockaden eine Routenänderung, mehrfache Verzögerungen und ein vorzeitiges Ende am U-Bhf. Cottbusser Platz erzwingen.

Mo, 8. Dezember 2014
6. Montagsdemo – 800 gegen Rassismus
Erneut sammelten sich 300-400 Rassist*innen zur fünften „Montagsdemo“ in Marzahn. Eine antirassistische Demonstration, die gleichzeitig stattfand, zwang die Nazis zunächst ihren Auftaktort zum S-Bhf Marzahn zu verlegen. An der antirassistischen Demonstration nahmen 700-800 Menschen teil. Eine Zwischenkundgebung auf der Kreuzung Landsberger Allee / Blumberger Damm, auf der u.a. Petra Pau redete, zwang die Rassist*innen zu einer Änderung ihrer Route.


Mo, 1. Dezember 2014
500 Antirassist*innen demonstrieren
Über eine Stunde zog eine laute und kraftvolle Demonstration gegen die rassistische Hetzte durch Marzahn. Dem spontanen Aufruf folgten trotz eisiger Kälte ca. 500 solidarische Menschen. Knapp 30 vermummte Neonazis versuchten die Demonstration anzugreifen. Doch durch ein geschlossenes Handeln der Demoteilnehmer*innen und das spätere Eingreifen der Cops ging dieser Versuch von den „durchweg friedlichen Anwohner*innen“ nach hinten los. Zu der 5. „Montagsdemo“, die parallel in Marzahn lief, waren – entgegen der Polizeiangaben – nur noch maximal 400 Rassist*innen gekommen.


Mo, 24. November 2014
Rassistischer Mob brüllt Parolen und attackiert Autofahrer in Marzahn

Am 24.11.2014 ziehen knapp zwei Dutzend Männer nach 23 Uhr durch den Kiez zwischen Lea-Grundig-Straße, Mehrower Allee und Blumberger Damm. Alle sind schwarz gekleidet und skandieren Parolen wie „Ausländer raus!“, „Wir sind das Volk!“, „Wir sind Marzahn und nicht Kreuzberg!“ und „Asylanten raus!“. Dabei treten sie gegen Mülleimer und andere Gegenstände. Ein Autofahrer empört sich und wirft eine Flasche nach den Männern, die daraufhin auch gegen sein Auto treten. Anschließend bewegt sich der Mob in Formation und unter „Ahu – Ahu – Ahu“-Rufen in Richtung des Glambecker Rings.

Sa, 22. November 2014
Blockade eines Aufmarschs
Mehrere tausend Antifaschist*innen verhindern mit Blockaden den Aufmarsch von 600 Nazis und anderen Rassist*innen in Marzahn. Diese konnten nach stundenlangem Warten erst um 17 Uhr loslaufen. Nach wenigen hundert Metern mussten sie jedoch zum nächstgelegenen S-Bhf umkehren. Zahlreiche NPD-AnhängerInnen und bekannte Gewalttäter übernahmen Aufgaben auf der Demonstration.

Mo, 24. November 2014
4. „Montagsdemo“ gegen geplante Unterkunft für Geflüchtete in Marzahn
Am 24.11.2014 veranstaltet die Bürgerbewegung Marzahn (BBM) die vierte „Montagsdemo“ gegen eine geplante Unterkunft für Geflüchtete in Marzahn. Maximal beteiligen sich zeitgleich 600 – 700 Personen, im Laufe des Aufmarsches gibt es wieder viel Fluktuation der Teilnehmer_innen. Die organisatorischen und ausführenden Aufgaben werden weiter vom selben Kreis aus der Berliner Naziszene übernommen. Die Parolen werden per Megaphon vom Anmelder René Uttke und einem lokalen NPD-Aktivisten vorgegeben, das Megafon wird von den Neonazis René Uttke und Daniela Fröhlich bedient.

Mo, 17. November 2014
3. „Montagsdemo“ gegen eine Unterkunft für Geflüchtete durch Marzahn
Am 17.11.2014 veranstaltet die Bürgerbewegung Marzahn erneut einen Aufmarsch gegen die in Marzahn geplante Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise. Bis 19 Uhr versammeln sich an der Landsberger Allee Ecke Blumberger Damm etwa 400 Menschen. Eine halbe Stunde später beginnt die Veranstaltung mit der Rede eines unidentifizierten Mannes, der die „sofortige Absetzung aller Volksschädlinge in Politik und Wirtschaft und eine Verurteilung (…) von einem von uns gewählten Volksgericht“ (sic) sowie eine „Enteignung (…) wegen der jahrzehntelangen volksvernichtenden Politik für die sie betrieben haben“ (sic) fordert. An der Spitze des Marschs sind einige Nazis des Netzwerks Nationaler Widerstand Berlin damit beschäftigt, unliebsame Menschen zu vertreiben und die Stimmung anzuheizen, darunter Christian Bentz, Björn Wild, David Gudra und Oliver Oeltze. Stephan Alex koordiniert offenbar die Anti-Antifa-Arbeit, Marcel Rockel die Spitze des Aufmarsches. Weitere bekannte Nazis sind Kai Schuster, Uwe Dreisch und Ronny Schrader. Auch der Anmelder René Uttke heizt wieder atemlos und blechern den Mob mit Parolen an. Dazu nutzt er im Wechsel mit Patrick Krüger den Lautsprecherwagen.

Mo, 10. November 2014
2. „Montagsdemo“ gegen eine geplante Unterkunft für Geflüchtete durch Marzahn-Ost
Zum 10.11.2014 hatte die Bürgerbewegung Marzahn zur „2. Montagsdemo“ unter dem Motto „Wir wollen kein Containerdorf in Berlin Marzahn“ (sic) zum Blumberger Damm Ecke Landsberger Allee mobilisiert. Ab 18 Uhr 30 treffen die ersten Teilnehmer_innen ein, so auch Uwe Dreisch, Landesvorsitzender der Partei Die Rechte. Eine gute halbe Stunde später haben sich etwa 300 Menschen versammelt. Die aggressive Stimmung wird vor allem vom vorderen Zehntel, das haupsächlich aus Männern besteht und vom Anmelder René Uttke1 am Megaphon angefeuert wird, mit seinen Parolen getragen. Der Anteil bekannter Rassist_innen ist überschaubar, darunter sind neben den bereits genannten Dreisch und Uttke, Patrick Krüger2, David Gudra, Franziska Grunhold, Patrick Killat, sein „Musik“partner mit dem Pseudonym Recht auf Wahrheit, Manuel Arnold, Bodo Dreisch, Gesine Schrader und Ronny Schrader.

Sa, 8. November 2014
Beschädigung des Bauzauns um eine geplante Unterkunft für Geflüchtete
Am 8.11.2014 berichtet die Bürgerbewegung Marzahn auf ihrer Facebook-Seite, der Bauzaun um die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise in Marzahn-Ost sei am selben Tag umgestoßen worden.

Sa, 8. November 2014
Flugblätter für rassistische Aufmärsche in Marzahn
Nach eigenen Angaben verteilen Aktivist_innen der Bürgerinitative Marzahn am 8.11.2014 „tausende“ Flugblätter, die zu einer „Montagsdemonstration“ am 10.11.2014 und einer „große[n] Demonstration“ am 22.11.2014 mobilisieren, in Marzahn.

Sa, 8. November 2014
Steinwurf auf Unterkunft für Geflüchtete und Wohnungslose in Marzahn
In der Nacht zum 8.11.2014 wird eine Scheibe einer Unterkunft für Geflüchtete und Wohnungslose in der Otto-Rosenberg-Straße durch einen Steinwurf beschädigt. Augenzeug_innen geben an zuvor drei Jugendliche vor der Unterkunft gesehen zu haben.

Fr, 7. November 2014
Öffnung des Bauzauns um eine geplante Unterkunft für Geflüchtete
Am 7.11.2014 veröffentlicht die Bürgerbewegung Marzahn auf ihrer Facebook-Seite Fotos, die zeigen, dass der Bauzaun um die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise am Blumberger Damm geöffnet wurde.

Do, 6. November 2014
Beschädigung des Bauzauns um eine geplante Unterkunft für Geflüchtete
Am 6.11.2014 veröffentlicht die Bürgerbewegung Marzahn auf ihrer Facebook-Seite Fotos, die zeigen, dass der Bauzaun um die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise in Marzahn-Ost über eine Länge von etwa 25 Meter umgestoßen wurde.

Mi, 5. November 2014
Beschädigung des Bauzauns um eine geplante Unterkunft für Geflüchtete
Am 5.11.2014 veröffentlicht die Bürgerbewegung Marzahn auf ihrer Facebook-Seite ein Foto, das zeigt, dass der Bauzaun um die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise in Marzahn-Ost zum Teil umgestoßen wurde.

Mi, 5. November 2014
Nazi-„Mahnwache“ an der Landsberger Allee
Am 5.11.2014 treffen sich bis zu zehn Personen an der Landsberger Allee Ecke Blumberger Damm um von etwa 16 Uhr bis 18 Uhr eine „Mahnwache“ durchzuführen. Mit dabei sind der NPDler Andreas Krüger, der stellvertretende Landesvorsitzende der Partei Die Rechte, Patrick Krüger, mit einer Reichsfahne und ein Pappschild René Uttkes mit der Aufschrift „Nein zu dem Asylcontainer in Marzahn und anderswo“ und eines mit der Parole „Asylflut stoppen“.

Di, 4. November 2014
Nazis verbrennen Transparent für ein buntes Marzahn
Am 4.11.2014 wird auf der Facebookseite der Bürgerbewegung Marzahn, ein Spin-Off der gleichnamigen Hellersdorfer Gruppe, ein Foto veröffentlicht, das zeigt wie ein Transparent mit der Aufschrift „Marzahn bleibt bunt“ verbrannt wird. Keine zwei Stunden wuvor war es am Bauzaun um eine geplante Unterkunft für Gefllüchtete in Containerbauweise am Blumberger Damm Ecke Landsberger Alllee befestigt worden.

Mo, 3. November 2014
Nazi-Aufmarsch gegen geplante Unterkunft für Geflüchtete durch Marzahn
Am 3.11.2014 ziehen bis zu 150 Menschen durch Marzahn um anlässlich einer geplanten Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise rassistische und nationalsozialistische Hetze zu verbreiten. Am Bauzaun des Geländes wird ein über fünf Meter langes Banner mit der Aufschrift „Marzahn sagt NEIN zum Containerdorf“ angebracht. Die Stimmung der Teilnehmer_innen wird als ausgesprochen aggressiv beschrieben, unter anderem werden folgende Parolen skandiert: „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus!“, „Wir wollen keine Asylantenheime!“, „Nein zum Heim!“, „Marzahn bleibt Deutsch“, „Ru-, Ru-, Rudolf Heß“, „Nationaler Sozialismus – Jetzt!“ und „Ahh, Ahu, Ahu“1. Einträchtig läuft die Zusammenarbeit der Kader der Naziparteien NPD und Die Rechte, die sich beim Anfeuern der Menge mit dem Megaphon abwechseln. Der NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke hält zum Abschluss eine Rede, in der er die übliche rassistisch-simplizistische NPD-Weltsicht darlegt.

Do, 30. Oktober 2014
Transparente an Gelände einer geplanten Unterkunft für Geflüchtete
Am Morgen des 30.10.2014 hängen an einem Bauzaun am Blumberger Damm Ecke Landsberger Allee zwei Transparente und vier Plüschtiere. Auf die  Transparente ist mit blauem Sprühlack aufgetragen: „Wir brauchen Kita’s & Schulen / Für unsere Kinder / Kein Asylantendorf“ (sic) und „Traut euch / Wehrt euch / Sagt NEIN / zum Heim“. Auf dem Gelände, das der Bauzaun begrenzt soll eine Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise enstehen.

Sa, 25. Oktober 2014
Erneut rassistische Flugblätter in Marzahn
In der Nacht zum 25.10.2014 verteilen Anhänger_innen der Bürgerbewegung Hellersdorf nach eigenen Angaben 10.000 Stück der gleichen Flugblätter wie zwei Tage zuvor in mehreren Wohngebieten Marzahns und Hellersdorfs, die in der Umgebung bestehender oder geplanter Sammelunterkünfte für Geflüchtete liegen.

Do, 23. Oktober 2014
Bürgerinitiative und Nazis bei der Bezirksverordnetenversammlung
Am 23.10.2014 halten sieben Nazis, darunter Andreas Krüger, Patrick Krüger, Kai Milde und René Uttke, vor dem Freizeitforum Marzahn (FFM) ab etwa 16 Uhr eine Kundgebung ab. Uttke hält ein Pappschild mit der Aufschrift „Nein zu dem Asyl-Container in Marzahn und anderswo.“, ein anderer eine Berlin-Fahne. Zum Beginn der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im FFM begeben sich die Nazis wie auch eine weitere Gruppe aus dem NS-Milieu und etwa 40 Anhänger_innen der Bürgerinitiative Schönagelstraße, in deren Reihen sich auch rassistisch geäußert wird, in den Sitzungssaal. Nach einer inhaltlich überholten Bürgerfrage des derzeitigen Protagonisten der Bürgerinitiative Schönagelstraße übergibt dieser dem Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) eine Unterschriftenliste, die sich gegen die Einrichtung einer Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise am Blumberger Damm Ecke Landsberger Allee richtet.

Do, 23. Oktober 2014
Rassistische Flugblätter in Marzahn-Ost
In der Nacht zum 23.10.2014 verteilen Angehörige der Bürgerbewegung Hellersdorf im Wohngebiet um die Schönagelstraße Flugblätter, die mit rassistischen Argumenten gegen die Einrichtung einer Unterkunft für Geflüchtete in Containerbausweise in der Gegend argumentiert. An einem Zaun bringen sie ein Transparent mit der Aufschrift „Solidarität für’s eigene Volk!“ an.

Di, 21. Oktober 2014
Unterschriftensammlung gegen geplante Unterkunft für Geflüchtete
Ab dem 21.10.2014 werden im Wohngebiet um die Schönagelstraße 450 Unterschriften gegen die Einrichtung einer Unterkunft für Geflüchtete in Containerbauweise, welche in der Umgebung geplant ist, gesammelt. In einem begleitenden Aufruf sich zu organisieren heißt es: „Nur gemeinsam können wir die negativen Folgen abwenden bzw. mindern.“ Konkretisiert werden diese Folgen in einer Resolution neben üblich dörflichen Vorbehalten gegenüber Veränderungen auch als eine „Entsetzliche Verschlechterung der öffentlichen Ordnung insbesondere der Hygiene im Umfeld der Container.“ Zwei Tage später werden die Listen und die Resolution dem Bezirksbürgermeister übergeben.

Diese Zusammenstellung basiert auf den Chroniken von Suburbanhell (www.suburbanhell.org/chronik) und Antifa-Berlin (www.antifa-berlin.info).